Tipps für die Hochzeitsrede

Fast jeder kennt die Situation: Wer plötzlich eine Rede halten soll, ist oft in beide Richtungen auf dem Sprung – und schwankt zwischen Flucht und Anpassung. Nach altem Brauch gehört die Hochzeitsrede aber sogar zu den Highlights der Veranstaltung und mancher nahe Verwandte wird nicht darum herum kommen. Aber wie hält man als ungeübter Redner, als Brautvater , Bräutigam oder Trauzeuge eine gelungene Festrede?
 
Wir haben Ihnen einmal eine kleine Checkliste zusammengestellt. Damit ist es ganz leicht, sich einen Anfang zu setzen und dem Aufbau der Gedanken eine erste Gestalt zu geben. Ein paar Punkte können helfen, den Überblick zu behalten und die Rede zu strukturieren.
  •     Über wen rede ich?
     
  •     Welchen Leitgedanken habe ich mir ausgesucht?
     
  •     Gute Reden schreibt man selbst und sind persönlich –
        vermeiden Sie also Fremdschreibfehler!
     
  •     Die Gliederung folgt drei Punkten: Einleitung, Hauptteil, Schluss
     
  •     Der Leitgedanke soll immer wieder auftauchen,
        und zwar in verschiedenen „Beleuchtungen“
     
  •     Die Sätze sind kurz und ohne lange Klemmkonstruktionen
     
  •     Keine Bürokratensprache: aktiv statt passiv, keine Verneinungen,
        konkret ist besser als abstrakt
     
  •     Keine heiklen Themen aufgreifen
        (Ex-Beziehungen und Scheidungen, Vorsicht bei Pannen)
     
  •     Stichwortliste anlegen und als Spickzettel bei der Rede verwenden
     
  •     Rede ein paar Mal vor Freunden üben
     
  •     Lampenfieber gehört dazu – Versprecher und Nervosität machen
        den Vortrag menschlich
 
 
Hochzeitsrede - ein Wort, das man mal gerne gründlich auslüften möchte. Den ganzen Zopf vergessen, den „man“ in der Rede ansprechen sollte, weil es sich so gehört. Eine gute Rede muss nicht rhetorisch geschliffen sein sondern persönlich. Im Leben jedes Paares gibt es Besonderheiten: Das Kennenlernen man kann ebenso aufgreifen wie besonders Liebenswürdiges, man kann lustige Begebenheiten zum Leitthema küren oder auch Skurriles. Aber Vorsicht: „Leckerbissen“ wie die Ex, der Seitensprung oder die Scheidung des Schwagers sind absolute Tabuthemen. Sie sind Pikanterien, die eher in den Aufgabenbereich des Buffetmeisters fallen und dort für Erheiterung und Genuss sorgen werden – ganz ohne Beigeschmack.
 
 
Andere Köpfe anzapfen
 
Man muss das Rad nicht neu erfinden. Viele Redner holen sich die entscheidende Inspiration durch andere kluge Köpfe: Dichter, Denker, Philosophen können - blind aufgeschlagen - zu den richtigen Stichwörtern führen. Jene Stelle, die einen am meisten anspricht, könnte man zum Leitthema des Vortrags küren. Auch im Internet wird man recht schnell fündig. Unter der unten aufgeführten Linkliste finden sich schnell die richtigen Schlüsselwörter für ein Leitthema, ein Zitat oder den richtigen Einstieg.
 
Der rote Faden
 
Eigentlich klar: Es geht um Liebe und Gefühle. Kein Grund, ein weitschweifiges Werk zu verfassen und die lieben Verwandten mit staubigen Lebensweisheiten von epischer Breite zu langweilen. Der Grund, warum manche Reden so kurzweilig sind: Sie folgen einem roten Faden, einer Leitlinie, die einen Anfang setzt, auf einen Höhepunkt zusteuert, das Leitthema im Laufe der Rede aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und schließlich zu einem runden Abschluss findet.
 
Welches ist das Schlüsselwort für eine gute Ehe? Treue, Partnerschaft, Ehrlichkeit? Entscheidet man sich für einen Begriff, hat man schon einen roten Faden und das ewige Thema Liebe ist angenehm gestrafft. Jetzt gilt es nur noch, die Gedanken dazu in eine Reihenfolge zu bringen.
 
Keine Faktenhuberei

Um packend zu sein, muss eine Rede nicht perfekt sein sondern persönlich. Wer sagt eigentlich, dass die Hochzeitsrede den strengen Duktus der Festrede eines Staatsbanketts einhalten muss? Um feierlich zu sein, muss die Ansprache auch nicht in Hexametern verfasst sein. Gerade eine witzig oder spitz formulierte Ansprache kann einen Wohlklang erzeugen, der in sich selbst den besten Resonanzboden findet. Man muss mit der Rede aber auch keine Stimmung erzeugen wie im Fußballstadion. Es genügt, ein paar Dinge anzusprechen, die dem Redner am Herzen liegen, damit die Rede zum Genuss wird.
 
Kurze Sätze gegen das Verhaspeln
 
Es gibt ein ganz einfaches Rezept gegen Langeweile: Kurze Sätze bilden. Fast jeder kennt das: Das Großhirn legt einen Satz zurecht, der dann über seine eigenen Ausläufer stolpert, zu gigantischer Länge gerät, sich an den Anfang nicht mehr erinnern kann und anschließend im Nirgendwo zu enden versucht. Kurze Sätze, die einem ganz natürlichen Aufbau und der eigenen Alltagssprache folgen, sind fürs Hören am besten. So wird die Rede beinahe ein eigenständiger Grund zum Feiern.
 
Der richtige Moment
 
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Hochzeitsansprache? Darauf gibt es eine klare Antwort: Es kommt darauf an. Genauer gesagt, auf die Person des Redners. Auf der Hochzeitsfeier folgen meist viele Toasts und Reden nacheinander: Solche des Brautvaters, des Trauzeugen, eines Geschwisters oder des besten Freundes. Generell gilt: Die Hochzeitsrede wird gehalten, wenn die Gäste am Tisch versammelt sind. Genauer: Die Reden folgen während des Essens. Noch genauer: Nach der Vorspeise und vor dem Hauptgericht und nach alter Tradition spricht der Brautvater zuerst.
 
Die Länge der Ansprache
 
Möglicherweise hat man Material für einen abendfüllenden Vortrag gesammelt, dachte aber eher an eine knackige Ansprache von ein paar Minuten - da hilft nur drastisches Kürzen. Das Ziel der Angelegenheit war ja, eine Rede mit Erinnerungswert zu halten. Im positiven Sinne natürlich. Es gibt keine allgemein gültige Regel für die Länge einer Rede. Im Allgemeinen sind fünf Minuten völlig ausreichend, es sei denn, man hat eine besonders packende Rede vorbereitet.
 
Meist hebt der Redner dann zu seinem Vortrag an, wenn die Gäste bereits einen aufreibenden Teil der Zeremonie hinter sich, das erste Glas Sekt in sich und die dampfenden Knödel vor sich haben.
Kaum jemand wird in der Lage sein, einem anstrengenden Vortrag zu folgen, wenn er die Menükarte vor sich liegen hat und ihm das Wasser im Mund zusammenläuft. Die Rededauer auf etwa fünf Minuten zu beschränken dürfte daher den anwesenden Gästen gerade angenehm sein.

 

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Nordwest Zeitung